Kolumbien – Land der Gegensätze!

Reisebericht Inge Ockernahl

Nach zwei Tagen in der kühlen regnerischen Höhenluft Bogotas empfing uns in Cali schwülfeuchtes Treibhausklima - der erste von vielen krassen Gegensätzen, denen wir in Kolumbien begegneten.In der ersten Woche lernten wir das angenehme Leben der wohlhabenden Menschen kennen - ein Wochenendhaus in den Bergen mit unzähligen Orchideen im Garten , eine Penthousewohnung im   18.Stockwerk mit Swimmingpool, Einladungen zu wunderbarem Essen und ein Besuch im Zuckerrohrmuseum mit herrlichen Pflanzen und Blüten. Ab Ostermontag  fuhren wir täglich von unserem Hotel mit europäischem Komfort quer durch die Millionenstadt im atemberaubenden Verkehr - allein 17000 gelbe Taxis- - nach Aguablanca mitten ins Armutsviertel. Die Schule "La Providencia" gleicht von außen einer kleinen Festung aus Beton - innen ist sie eine Oase des Friedens inmitten einer Welt von Elend und Gewalt. Der Empfang durch die Schulgemeinde war unbeschreiblich bewegend.Alle Schüler begrüßten uns mit einem deutsch gesungenen Lied begleitet vom Schulorchester. Diese Willkommensfeier hat uns tief berührt.Berufsbedingt hat mich die bewundernswerte Disziplin der Schüler besonders beeindruckt. In den Pausen bewegen sich 470 Kinder und Jugendliche  auf einem höchstens 15 x 15 Meter großen Schulhof  in friedlichem Miteinander, ohne Gebrüll und ohne Streitereien.Die  Kinder begegneten uns mit herzlicher Freundlichkeit und ließen uns - genau wie die Lehrer - eine große Dankbarkeit spüren. Die Schüler begeisterten mich durch ihren Lernwillen, ihr soziales Verhalten und durch die feste Überzeugung, dass sie nur durch Bildung ihre Lebenssituation verbessern können. Wir trafen uns mit einer Klasse 15 - Jähriger zu einer Frage - und Antwortstunde und erlebten erstaunt wie bewußt sie ihre gesellschaftliche und soziale Verantwortung wahrnehmen. Die  persönlichen  Eindrücke in Aguablanca haben mir gezeigt, dass unsere Hilfe sich lohnt und ankommt - nicht nur auf dem Bankkonto der Schule, sondern in den Herzen der Kinder.


Reisebericht Kristine Tromsdorf

Da ist die wunderbare Natur: Blumen und Blüten in Farben und Formen, von denen ich nicht geahnt hätte, dass sie existieren. Früchte werden uns serviert, die unglaublich schmecken und deren Namen ich schon wieder vergessen habe. Und auf der ganzen Reise begleiten uns die Berge, die so einladend aussehen, dass ich am liebsten den Rucksack aufsetzen würde und loswandern möchte.

Und dann begegnen uns diese riesigen Städte, Bogota mit acht Millionen und Cali mit drei Millionen Menschen, Moloche, die alles zu verschlingen scheinen!

An vielen Stellen sind diese Städte unseren sehr ähnlich: Einkaufsmöglichkeiten und Malls, in denen wir alles kaufen können, was wir uns wünschen, die Preise ähneln denen in Deutschland. Aber auch Restaurants und Museen sind zu finden, beispielsweise das sehenswerte Goldmuseum in Bogota. Dann aber sind da die Stadtteile, in denen bittere Armut und Gewalt herrschen, häufig in unmittelbarer Nachbarschaft zu prächtigen Appartement-Hochhäusern.

 

In so einem armen Stadtteil liegt „unsere“ Schule: Schon die Fahrt dahin ist ein Abenteuer, Verkehrsregeln scheinen Luxus zu sein, vor allem die vielen Zweiroller mit ihren waghalsigen Manövern treiben den Pulsschlag hoch. Mit jeder Straße, die wir uns der Schule nähern, wird die Armut greifbarer, deutlicher. Das bisschen, was die Menschen haben, wird mit Gittern geschützt. Wohnungen haben hier keinen Fußboden, das Leben spielt sich auf dem nackten Estrich ab. Die Wände sind kahl, nur ein paare Bilder zieren sie. Die Kinderzimmer haben mit denen in Deutschland nichts zu tun, ein Stahlrohrbett, ein Stuhl, ein paar Briefe an der Wand – das war’s. Toilette und Küche kann man das, was wir zu sehen bekommen, kaum nennen. Spürbar ist aber der Wille der Mutter, ihren Kindern ein Heim zu schaffen, hier ein Bild, dort etwas Buntes auf dem Tisch.

An der Wand findet sich der Spruch „Jeder Mensch verdient Respekt!“ – wie wahr! Gelebt wird dies in der Schule. Sie ist für die Kinder eine Brücke, sie bietet ihnen eine Chance auf ein besseres Leben. Wir sind gerührt von dem herzlichen Empfang und der Freundlichkeit, mit der uns die Menschen begegnen. Fasziniert haben wir in den nächsten Tagen ein Stück des Schulalltags erlebt: hier wurde Brot gebacken, dort wurden Weihnachtsmänner getöpfert. Die Musik spielt eine große Rolle in der Schule, bietet sie doch die Möglichkeit, sich selbst zu verwirklichen. Und exklusiv für uns wurde konzertiert.

All das findet auf engstem Raum statt. Die Klassenräume haben keine Fenster, trotzdem ist es möglich, dass alle lernen. Das funktioniert, weil ganz selbstverständlich aufeinander Rücksicht genommen wird.

 

Begrüßt wurden wir mit dem Lied „Aufstehen, aufeinander zugehen, voneinander lernen …!“ Ich bin sehr froh, diese Reise „gewagt“ zu haben. Gelernt habe ich sehr viel.

Vor allem bin ich aber sehr glücklich darüber, dass das Johanneum eine solche Partnerschule hat.